Neustadt – Eine realitätsnahe Übung absolvierte der Fachbereich Gefahrgut und Strahlenschutz der Feuerwehr Neustadt am Mittwoch, 26.11.2025, auf dem Betriebsgelände der Firma FRANKEN BRUNNEN, einem örtlichem Getränkehersteller.
Zur Reinigung und Desinfektion von Getränkeflaschen werden dort unter anderem Laugen und Säuren benötigt. Die gelagerten Mengen könnten im Ernstfall zum Gefahrgutproblem werden. Die optimale Vorbereitung auf ein solches hoffentlich nie eintretendes Ereignis und professionelle Lösungsansätze hierfür waren die erklärten Übungsziele.
Die Übung war in zwei Phasen gegliedert. Im ersten Teil haben sich die Einsatzkräfte, bezogen auf ihre Gefahrgut-Spezialisierung, die Lagerungsstätten der gefährlichen Stoffe zeigen lassen. Der Sicherheits- und Brandschutzbeauftragte des Unternehmens beging mit den Mitgliedern des Fachbereichs alle Bereiche, an denen Gefahrstoffe gelagert werden, und erklärte die Prozesse und Stoffe, die vor Ort vorherrschen. Die Lagerung und die Sicherheitsvorkehrungen waren beeindruckend und wirkten fast so, als könnte nichts passieren. Verschiedenste Maßnahmen sorgen für eine deutliche Minimierung der Risiken, dennoch kann es unter ungünstigsten Umständen auch in den sichersten Bereichen zu einem Gefahrstoffaustritt kommen.
Damit beschäftigen sich die Feuerwehrleute in Phase 2. Das Unternehmen hatte ein betriebsindividuelles Szenario vorbereitet, das es zu lösen galt: Stoffaustritt im Gebäude war die angenommene Einsatzmeldung. Ein Trupp legte gas- und flüssigkeitsdichte Chemikalienschutzanzüge (CSA; „Schutzkleidung Form 3“*) an und ging ins Gebäude, um den Stoff mittels Messtechnik und vorliegenden Informationen zu bestimmen und den Austritt zu stoppen. Beim Betreten des Gebäudes wurde allerdings eine vermeintlich verletzte Person aufgefunden und unmittelbar gerettet. Diese wurde im Dekontaminationsplatz von Kontamination befreit, erstversorgt und in der Übungsannahme dem Rettungsdienst übergeben.
Parallel dazu wurde ein zweiter Trupp ebenfalls mit CSA eingesetzt, um den originären Auftrag von Trupp 1 zu erledigen. Die von ihm festgestellten Stoff-Informationen wurden über Funk dem Einsatzabschnitt Dokumentation zugeführt, dort verarbeitet und ausgewertet. Nachdem der Austritt gestoppt und der Bereich nach weiteren Personen abgesucht war, konnte durch den Abschnittsleiter Dokumentation „Entwarnung“ gegeben werden. Es handelte sich um eine schwache Säure, die fiktiv in Mindermengen ausgetreten war. Die beiden Trupps wurden daraufhin vom Dekontaminationstrupp mittels pH-Testpapier auf Kontamination geprüft und fachmännisch und sicher entkleidet. Nachdem auch der Dekon-Trupp seine Schutzanzüge („Schutzkleidung Form 2“*) abgelegt hatte, wurde die Einsatzübung beendet. Es folgte eine kurze Nachbesprechung, ehe abgebaut und die Einsatzbereitschaft wiederhergestellt wurde.
Vielen Dank an Firma FRANKEN BRUNNEN für diese Übungsmöglichkeit und die hervorragende Zusammenarbeit!
* „Schutzkleidung Form 1“, „Schutzkleidung Form 2“ und „Schutzkleidung Form 3“ sind Fachbegriffe aus der Feuerwehr-Dienstvorschrift FwDV 500 „Einheiten im ABC – Einsatz“, die für die Abwehr von atomaren, biologischen und chemischen Gefahren drei Formen von Körperschutz vorsieht.






